Individualautor
Medien/Kunst/Praxis
Was sich in den meisten dieser Praktiken zeigt ist ein beinahe
selbstverständlicher Hang zu kollektivem Arbeiten. Künstler
im engeren Sinne kooperieren mit Programmierern, mit Technikern, mit
Disk-Jockeys und Kuratoren und bilden neue, komplexe
Arbeitsverbünde, die sich darüberhinaus, als intentionaler
Teil der Arbeit, der weiteren Vernetzung von Produzenten verschreiben
und für die Streuung und Transversalität zentrale operative
Kategorien darstellen. Autorenschaft ist keine notwendige Kategorie
mehr, auch wenn sie aus praktischen, ökonomischen und
systemimmanenten Gründen häufig weiter eingesetzt wird. Es
sollte nicht übersehen werden, daß natürlich auch hier
Neid, Ruhm, Sex, Geld und Macht weiterhin mitspielen, allerdings ist
Autorenschaft im Bereich der hier beschriebenen medialen Praxis nicht
mehr selbstverständliche Ausgangsbedingung künstlerischen
Arbeitens, sondern eine mehr oder weniger bewußt gewählte
Methode. Hiermit hängt auch die Entwicklung von permanenten und
zeitlich begrenzten `shared workspaces' auf dem Internet zusammen, in
denen gemeinsam in zwei- und dreidimensionalen Repräsentation an
visuellen, textuellen und akustischen Projekten gearbeitet wird. Die
Ausdifferenzierung von vernetzten Diskursformen orientiert sich nicht
am Modell akademischer Zeitschriftendiskurse, sondern eher am
engagierten Kneipen- oder Salongespräch. In dieser Praxis gibt es
kaum noch einen realisierbaren Anspruch auf Eigentum an Ideen - was
übrigens für die publizierende Zunft nicht unproblematisch
ist. Andreas Broeckmann http://www.v2.nl/~andreas/texts/1996/aesthetikderheterogenese.html
Streuungen. Autorenschaft und
Produktion.
Die im frühen 20. Jahrhundert eingeleitete Auflösung und
Neudefinition bürgerlicher Werk- und Autorenbegriffe ist parallel
zur Entwicklung der elektronischen Medien heute in eine spannende Phase
getreten. Obwohl oder weil die elektronischen Medien, vor allem das
Internet, keine Originale kennen und alles Produzierte in seiner
Einmaligkeit aufheben, es dekontextualisieren und temporalisieren,
wählen viele KünstlerInnen sie als Bildmittel und
Präsentationsorte. Oder sie übertragen die ihnen
inhärenten Arbeitsformen ins Kunstfeld. Projektarbeit,
Arbeitsteilung, Vernetzung und Sendung, d.h. sich zerstreuende
Arbeits-/Werkformen, treten an die Stelle von traditioneller
Einzel-Autorenschaft und markieren eine neue Stufe in der Diskussion,
die an Barthes' Diktum vom "Tod des Autors" anknüpfte. Die
Anleihen in sog. "angewandten" Kunstfeldern sind offenkundig. Umgekehrt
wird im Design, besonders im Web- und Interfacedesign, vermehrt auf das
geblickt, was im bürgerlichen Kunstverständnis als das genuin
Künstlerische gilt: Autonomie und Zweckfreiheit.
Die Folgen dieser Neuorientierungen sind weder für diejenigen
abzusehen, die etwas als Kunst oder Design produzieren, noch für
diejenigen, die früher entweder als Rezipienten, Konsumenten oder
als Benutzer galten. Beschreibungsbegriffe wie Regisseur, Redakteur,
Produzent, Projektgruppe sowie User oder Co-Produzent versuchen die
neuen Anforderungen - Interaktion, Teilnahme und Engagement - in
Arbeits- und Anwendungsprozessen zu fassen.
Ute Vorkoeper, Frank Hesse
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